10. Station: Deinhardplatz 4 - Eheleute Dr. Edwin und Julie Landau
Wir gehen jetzt nach links das Schloßrondell entlang, biegen in die Straße „Neustadt“ ein und kommen dann zum Deinhardplatz.

Hier am Deinhardplatz 4 steht ein historisches Gebäude.

Deinhardplatz 4
Es ist jetzt das Nebengebäude des Justizzentrums Koblenz. In hinteren Bereich wurde vor 15 Jahren ein großer Komplex angebaut und zu einem Justizzentrum erweitert. Heute sind in diesem Nebengebäude der Verfassungsgerichtshof und das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz und das Verwaltungsgericht Koblenz untergebracht.
Vor dem Gebäude sind zwei Stolpersteine verlegt, für Dr. Edwin Landau und seine Ehefrau Julie.

Die Familie Landau war jüdischer Herkunft, die zum Protestantismus übergetreten war. Sie wohnte in einem repräsentativen Haus, das der Vater von Dr. Edwin Landau, ein vermögender Kaufmann, um 1860 hatte errichten lassen. So sah das bei den Landaus zu Hause aus.

Der Salon im Hause Landau, Deinhardplatz 4.
Dr. Edwin Landau hatte in Koblenz Abitur gemacht, Jura studiert, promoviert und war dann Amtsgerichtsrat in Koblenz geworden. Um 1900 heiratete er seine Frau Julie, eine Bankierstochter aus Wien.

Die Eheleute Dr. Edwin und Julie Landau (Altersfoto)
Da kam Geld zu Geld. Im Ersten Weltkrieg war Dr. Landau Soldat, Rittmeister. Die Landaus waren große Musikfreunde. Edwin Landau war Vorsitzender des Vereins der Musikfreunde Koblenz. Bei den Landaus zu Hause verkehrten alle großen Musiker der Zeit, von Clara Schumann bis Paul Hindemith.
Die Eheleute hatten zwei Kinder, die Tochter Ilse und den Sohn Edwin Maria.

Dr. Edwin Maria Landau.
Der Sohn Edwin Maria studierte Literaturwissenschaften und anderes mehr, wurde promoviert und gründete Anfang der 1930er Jahre in Berlin einen Verlag.

Ilse Landau.
Die Tochter Ilse blieb in Koblenz und wurde Physiotherapeutin.
Schon bald begannen die Schikanierungen, vor allem der Kinder und gerade in ihren Berufen. Der Sohn durfte wegen seiner jüdischen Herkunft nicht mehr den Verlag leiten. Die Tochter verlor wegen ihrer jüdischen Herkunft ihre Arbeitsstelle. Daraufhin zog die Tochter Ilse nach Berlin und heiratete dort einen Landgerichtsrat jüdischer Herkunft. Die alten Eheleute Landau hielten es in Koblenz nicht mehr aus, verkauften das Haus zu einem Spottpreis und zogen zu ihrer Tochter und deren Ehemann nach Berlin.
Der Sohn Edwin Maria emigrierte 1938 nach England. Bei einem Aufenthalt in Frankreich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er dort – wie viele andere deutsche Flüchtlinge auch - als „unerwünschter Ausländer“ interniert. Er war in mehreren Internierungs- und Arbeitslagern festgehalten, wurde schließlich freigelassen und konnte nach zwei vergeblichen Versuchen beim dritten schließlich in die Schweiz flüchten. Die Tochter Ilse und ihr Ehemann sahen nach dessen Entlassung als Richter in Deutschland auch keine Perspektive mehr und flohen noch rechtzeitig aus Berlin nach Brasilien.
Dann waren die alten Eheleute Landau wieder allein. Ende 1941 starb Dr. Edwin Landau vereinsamt in Berlin eines natürlichen Todes. Seine Frau Julie überlebte ihn nur um ein halbes Jahr. Angesichts der drohenden Deportation „nach dem Osten“ schied sie freiwillig aus dem Leben.
Ihre beiden Kinder überlebten. Die Tochter Ilse und ihr Mann kehrten nach dem Krieg nach Berlin zurück. Der Sohn Dr. Edwin Maria Landau blieb in der Schweiz, heiratete dort, hatte zwei Söhne und wurde ein bekannter Übersetzer und Schriftsteller. Er erfuhr zahlreiche Ehrungen. Im Jahr 1983 wurde er in seiner Geburtsstadt Koblenz erster Träger des Kulturpreises der Stadt Koblenz.

Dr. Edwin Maria Landau bei der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Koblenz im Jahr 1983,
rechts: Oberbürgermeister Willi Hörter. (Stadtarchiv Koblenz).
Weitere Informationen zu Edwin Maria Landau erhalten sie unter:
https://www.mahnmalkoblenz.de/index.php/die-dauerausstellung/137-edwin-maria-landau-juedisch-katholischer-schriftsteller-aus-koblenz
Weitere Informationen zur Familie Edwin Landau erhalten sie unter:
https://www.mahnmalkoblenz.de/index.php/die-dauerausstellung/065-familie-edwin-landau-juedischer-amtsgerichtsrat-aus-koblenz
