7. Station Görgenstraße 31- Kurt Rosenblatt

Wir gehen jetzt gleich zur gegenüberliegenden Seite der Zufahrt des Hotels "Super 8 by Wyndham Koblenz".

Hier liegt ein einzelner Stolperstein für Kurt Rosenblatt. Er erinnert letztlich an eine ganze jüdische Familie. 

 Stolperstein für Kurt Rosenblatt.

In dem damals hier stehenden Haus war die jüdische Familie Rosenblatt zu Hause, die Witwe Rosa Rosenblatt und ihre Kinder Kurt und Irene.

Kurt Rosenblatt mit seiner älteren Schwester Irene.

Frau Rosenblatt hatte im Erdgeschoss ein kleines Textilgeschäft. Im 1. Stock war die Wohnung. Auch diese wurde verwüstet. Die Tochter Irene arbeitete in Köln. Später erzählte sie, wie sie in Köln von dem Pogrom erschüttert hörte und sich dann auf den Weg nach Koblenz machte:

Als ich dort (in Köln, Erg. d. A.) von den entsetzlichen Zerstörungen von Synagogen, Geschäften und auch Privathäusern sowie von den unmenschlichen Behandlungen von jüdischen Mitbürgern zum Teil mit Todesfolge hörte, habe ich sofort um meine Mutter und meinen Bruder Kurt in Koblenz gebangt. Sofort am Morgen des 10. November 1938 fuhr ich mit dem Zug in meine Heimatstadt. Mit großem Bangen lief ich zu meinem Elternhaus, und in unserer Wohnung fand ich ein entsetzliches Chaos vor. Alle Zimmer waren zerstört: die Küche, das Wohnzimmer und die Schlafzimmer. Die Möbel waren mit Gewalt zerstört worden, die Betten aufgeschlitzt, die Lebensmittel unbrauchbar.
Ich konnte eigentlich gar nicht begreifen, was da geschehen war und vor allem warum. Fassungslos stand ich vor der unsinnigen Zerstörung in unserem Familieneigentum. Ich rief nach meiner Mutter. Aber sie antwortete nicht. Wo war sie? Was war mit ihr geschehen? Ich hatte so viel Schreckliches gehört, dass mich nun eine große Angst um meine Familienangehörigen erfasste. Ich lief zu unseren Nachbarn und erkundigte mich. Aber niemand wusste etwas. Sie warnten mich und rieten mir wegzulaufen, weil es hier sehr gefährlich sei. Ich eilte voll Angst zu Freunden und Bekannten. Alle standen unter dem Eindruck dieses wahnsinnigen Tages. Von meiner Mutter wussten sie leider nichts. Traurig musste ich die Suche aufgeben, mich der Qual der Ungewissheit und Angst überlassen.
So verließ ich an diesem trostlosen Tag eine völlig demolierte Wohnung und fuhr nach Köln an meine Arbeitsstelle zurück. Erst später erfuhr ich, dass meine Mutter bei einer Freundin rettenden Unterschlupf gefunden hatte. Sie hatte unsere Wohnung fluchtartig verlassen müssen, als vier SS-Männer eingebrochen waren und wie Wahnsinnige gewütet hatten.

 Kurts Mutter Rosa mit seiner Schwester Irene.

Die Mutter Rosa Rosenblatt heiratete noch einmal und zog zu ihrem Ehemann nach Koblenz-Ehrenbreitstein. Von dort wurde sie mit der 4. Deportation am 27. Juli 1942 in das „Altersghetto“/ Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Sie kam dort ums Leben.

Ihre beiden Kinder Kurt und Irene waren noch so jung und mobil, dass sie den Pogrom zum Anlass zur Flucht nach Holland nahmen. Das Leben dort war zunächst noch erträglich, es änderte sich aber mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die neutralen Niederlande am 10. Mai 1940. Irene Rosenblatt musste sich verstecken und überlebte. Kurt Rosenblatt gelang das nicht. Nach der Besetzung Hollands durch die deutsche Wehrmacht wurde er von den Holländern in das Durchgangslager/Konzentrationslager Westerbork gebracht. Im Lager heiratete er noch die jüdische Holländerin Dora de Koning. 

Kurt und Dora Rosenblatt bei ihrer Hochzeit im Konzentrationslager Westerbork. 

Dann wurden die Eheleute Rosenblatt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort ermordete man sie nicht sofort, vielmehr kamen sie „zur Arbeit“, zur Sklavenarbeit im KZ. Kurt Rosenblatt lebte noch ein Jahr in Auschwitz, er starb am 15. September 1944. Seine Ehefrau überlebte und wurde befreit