8. Station: Zentralplatz - Familie Hermann Kaufmann
Wir gehen jetzt die Görgenstraße weiter, überqueren die Clemensstraße und bleiben dann auf dem Zentralplatz vor dem Forum Confluentes stehen.


Das Forum Confluentes in Koblenz.
An der runden „Spitze“ des Forums, an der der Clemensstraße zugewandte Seite, liegen vier Stolpersteine für weitere jüdische Opfer. Sie erinnern an die Familie Kaufmann: den Vater Hermann, die Mutter Hedwig und die Söhne Hans Jakob und Ernst.

4 Stolpersteine für die Familie Kaufmann, für Vater Hermann,
Mutter Hedwig, und die Söhne Hans und Ernst.

Hans Jakob Kaufmann (Quelle: Stadtarchiv Koblenz)
Vater Hermann war gebürtig aus Boppard, hatte 1914 in Zürich gewohnt. Wie viele deutsche Juden war er zu Beginn des Ersten Weltkriegs Soldat geworden und hatte für sein Vaterland gekämpft. Vier Jahre lang brachte er im Schützengraben zu und wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Nach dem Krieg zog Hermann Kaufmann nach Koblenz. Hier heiratete er seine Frau Hedwig. Dann kamen drei Söhne zur Welt. Die Kinder gingen hier zur Schule, Vater Hermann war Altwarenhändler. Die Familie wohnte in der Balduinstraße 37.
Wie wir inzwischen wissen, gibt es die Balduinstraße nicht mehr, sie war früher drüben jenseits der Clemensstraße. Die Stolpersteine für die Familie mit dem Spruch „Hier wohnte…“ stimmt also nicht so ganz. Hintergrund dafür ist, dass man in der Görgenstraße drüben nicht noch mehr Stolpersteine verlegen wollte, man wich auf den Zentralplatz aus – schließlich ist das hier ein markanter Ort.
Also von der Balduinstraße 37 gingen die vier Mitglieder der Familie Kaufmann „auf Transport nach dem Osten“ - mit der 1. Deportation von Juden aus Koblenz und Umgebung am 22. März 1942 vom Bahnhof Koblenz-Lützel aus in das Durchgangsghetto Izbica.
Am Tag zuvor hatten sich diese Menschen – Männer, Frauen und Kinder - in der Schule in der Steinstraße in Koblenz-Rauental einfinden müssen. Sie wurden registriert und listenmäßig erfasst. Ihr Gepäck kontrollierte man und sie selbst wurden körperlich durchsucht. Für die Gestapo Koblenz war das eine große Aufgabe – nicht nur hinsichtlich der Planung und Organisation der Deportation, sondern auch hinsichtlich deren praktischer Durchführung. Wohl sämtliche SS-Männer der Koblenzer Gestapo und auch Kriminalbeamte waren im Einsatz. Denn die Steinschule musste abgesperrt und diese große Menschengruppe bewacht werden. Die Unterbringung in der Turnhalle war armselig, die Gestapo hatte gerade einmal Stroh besorgt, damit sie nicht auf dem blanken Steinboden nächtigen mussten.
Am nächsten Tag, es war ein Sonntag, wurden die Juden von den Gestapo- und SS-Leuten zum Abmarsch angetrieben. Sie nahmen die ihnen gelassenen Habseligkeiten und marschierten familienweise in Richtung Bahnhof Lützel. Dort wurden 337 Juden aus Koblenz und Umgebung „verladen“. Die von der Gestapo Koblenz für den Transport erstellte Liste nennt ihre Namen, ihr Geburtsdatum und ihren Geburtsort sowie ihre letzte Adresse vor der Deportation.

Der Bahnhof von Koblenz-Lützel, heute.
Mit derselben Deportation wurde auch der dritte Sohn der Familie Kaufmann, der 1922 geborene Alfred, verschleppt. Er hatte als Jude keine Arbeit mehr gefunden und arbeitete als Hilfspfleger in der Jacobyschen Heil- und Pflegeanstalt in Bendorf-Sayn. Von dort wurden mit der 1. Deportation und mit weiteren Deportationen die jüdischen PatientInnen der Anstalt und PflegerInnen ebenfalls deportiert. Alfred Kaufmann war unter den ersten Verschleppten der Anstalt und kam von Bendorf-Sayn aus wie seine Eltern und Geschwister nach Izbica.
Das weitere Schicksal der Familie Kaufmann ist nicht bekannt – man kann es sich aber denken.
