9. Station: Schloßstraße 1- Klinik Dr. Reich
Wir gehen jetzt den Zentralplatz an der Görgenstraße entlang, kommen zur Viktoriastraße und biegen dann nach links in die Schloßstraße ein. Diese gehen wir weiter bis zum Ende, bis zum Schloßrondell. Rechts ist die Schloßstraße 1.

Hier vor dem älteren Neubau liegen insgesamt 11 Steine. Es sind ein „Erklärstein“ und 10 „Biografiesteine“.

Fangen wir mit dem „Erklärstein“ an, der in der oberen Reihe in der Mitte liegt. Er verweist darauf, dass sich hier eine private Klinik befand, die von dem jüdischen Arzt Dr. Richard Reich betrieben wurde.

Dann sehen wir links davon einen weiteren Stein, den Biografiestein für den Arzt der Klinik, Dr. Richard Reich. Auf seinem Stolperstein heißt es: Flucht nach Belgien, überlebte unter einem Decknamen in Brüssel.
Das ist richtig, zu seiner Biografie wäre noch viel zu sagen. Das würde hier aber zu weit führen. Zur Biografie von Dr. Reich nur so viel: Er war verheiratet mit Frieda Lichtenstein. Beide haben mit ihrer Familie über der im Erdgeschoss betriebenen Klinik gewohnt. Die Eheleute Reich konnten noch Brüssel fliehen und haben überlebt.

Die Identitätskarte von Dr. Reich. (Quelle: Amt für Wiedergutmachung, Saarburg).

Die Identitätskarte von Frieda Reich. (Quelle: Amt für Wiedergutmachung, Saarburg).
Anders als für Dr. Richard Reich gibt es für seine Frau Frieda keinen Stolperstein. Bei den Eheleuten wohnte noch Frieda Reich-Lichtensteins Vater Karl Lichtenstein. Er wurde im Alter von 72 Jahren mit der 4. Deportation von Koblenz aus am 27. Juli 1942 in das „Altersghetto“/Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt und sechs Wochen später am 19. September 1942 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort noch am selben Tag mit Giftgas ermordet.

Karteikarte von Theresienstadt betr. Karl Lichtenstein mit dem Datum des Transports
am 19. September 1942. (Quelle: Excl. Lizenz: Digitales Archiv, ITS Bad Arolsen)
In der oberen Reihe rechts außen liegt ein Stolperstein für ihn. Allerdings ist die Angabe „Maly Trostinec“ falsch, ermordet wurde er im Vernichtungslager Treblinka.
Die Eltern Reich hatten übrigens drei Kinder, Hans Egon, Manfred Hermann und Dorit. Sie waren von ihren Eltern – bevor diese selbst nach Belgien geflohen waren – noch nach England in Sicherheit gebracht worden.
Des Weiteren sind in der unteren Reihe acht Stolpersteine für Kinder und Jugendliche verlegt. Sie haben allesamt nicht in der Klinik gewohnt, sondern sind hier zur Welt gekommen. Verlegt ist ein Stein für:
- Nathan Ackermann
- - Egon Berlin
- - Rolf Eschenheimer
- - Egon Stotzky
- - Herbert Stotzky
- - Doris Thalheimer
- - Bella Forst und
- - Rita Arnold.
Sie alle waren allein oder mit ihren Eltern nach Belgien und nach (Süd-)Frankreich geflohen, wurden dort aber interniert und dann über das Durchgangslager Drancy bei Paris nach Auschwitz-Birkenau deportiert und mit Zyklon B ermordet. Das sind alles sehr bewegende Schicksale, die zum Teil auch ganz gut erforscht sind. Es würde aber zu weit führen, sie hier auch noch anzusprechen.
